Internet World 2014 – „Die verpasste Chance“

internet_worldEs hätte alles so schön sein können. Auch in diesem Jahr fand die Branchenmesse „Internet World“ wieder auf dem Messegelände in München statt. Begleitet von herrlichem Wetter in einer durchaus ansprechenden Location und getragen von einem überragenden Besucherinteresse traf sich die Branche in München.

Leider vermittelte schon der erste Rundgang mit der Besichtigung der „Info-Arenen“ negative Eindrücke, waren diese doch im Vergleich zu Vorjahr nicht gewachsen. Gleicher Ort, gleiche Kapazität, gleich mal ein erstes Hmmmmmm. Welcher letztjährige Besucher erinnert sich nicht an die teilweise völlig überfüllten Vorträge im vergangenen Jahr – und das sollte dieses Jahr anders werden? Naja, man lässt sich ja gerne überraschen…Wurden wir aber leider nicht, im Gegenteil:

Gleich der erste Vortrag den wir am 25. Februar besuchten: „Google Trends 2014“ in Infoarena 2 war, sorry Herr Armbruster, eine komplette Enttäuschung, ein Desaster, eine Vortrags-Offenbarung. Die ersten 15 Minuten (des 30 minütigen Slots!) verbrachte der Referent damit wortreich zu erläutern warum sein originäres Geschäftsmodell, Links zu erstellen und zu verkaufen, nichts an seiner Attraktivität verloren habe und wies mehrfach auf seinen Stand hin. Wer Herrn Armbruster im vergangenen Jahr oder auf diversen anderen Messen bereits kennen gelernt hat oder ihn schonmal gehört hat kann sich sicher an ihn erinnern. Denn er hat einen eindeutigen USP: Er ist – nochmal sorry Herr Armbruster – der ungekrönte König der „ääähhhmmmms“. Einen 30minütigen Vortrag spickt er schon mal mit gefühlten tausend „ääähhhmmmmmms“, einen Satz mal mit 10 dieser Laute, mal länger gezogen, mal kürzer. Besonders ärgerlich aber: „Experten“ oder „Professionals“ oder wie sie sich auch immer nennen mögen (und an die war die Messe ja adressiert) konnten aber unter all den vermittelten Trivialitäten nicht eine einzige „Google-Neuigkeit 2014“ erkennen. Zumindest wir von team-digital nicht, nicht eine Einzige! Gut dass man echte Profis wie Mario Fischer kennt und einen direkten Draht zu Google hat, sonst wäre man auf solche „Experten-Infos“ angewiesen. Nicht auszudenken! Nun gut – dann zum Intershop-Vortrag. Die „Shop-Giganten“, angekündigt als die „Quasi-Erfinder“ der Onlineshops haben doch sicher interessante Infos zur Customer-Journey, dem UX etc. Denkste!

Im gleichen Stil wie das „Feuerwerk“ der Google-Insights war auch der Vortrag von Intershop. Die nette anzuschauende Dame hatte neben einem katastrohpalen Vortragsstil noch weiter Highlights wie wortreich erklärte fehlende Folien, aussetzende Technik, eine gigantische Anhäufung jahrelang bekannter Trivialitäten und eine mangelnde Vokabelqualität zu bieten. Es war wie in der Burgerbude: Man erwartet Nichts und wird nie enttäuscht. Nochmal – und diesmal zum letzten Mal: Sorry, das war leider Garnichts!

Solche „Expertennews“ setzt man keinem Fachpublikum als hoch spezialisierte Vorträge vor. Schlecht präsentiertes Halbwissen erhalte ich auch am Stammtisch um die Ecke. Die Redner der Messe werden also offensichtlich weder nach ihren Inhalten noch nach ihrem Vortragsstil aisgewählt. Wer einmal als Redner akkreditiert ist kommt jedes Jahr wieder, so hat es zumindest den Anschein. Dies zusammen mit den erneut völlig überfüllten Arenen spricht nicht für die Internet-World, ein allerletztes Mal noch sorry. Hier wurde nicht analysiert und offensichtlich auch nur halbherzig vorbereitet. Nein, das war irgendwie ziemlich weit weg vom Anspruch, fanden wir.

Es war aber nicht alles schlecht in München. Einige interessante Tool-Hersteller und diverse Gespräche mit etablierten Anbietern rechtfertigten dann schließlich doch noch die weite Anreise. Wenn der Erkenntnisgewinn auch weit hinter den Erwartungen zurück blieb.

Unser Fazit der „Internet World 2014“, zumindest des Tages und der Informationen die wir erleben „durften“ lautet: Noch immer ist die Internet World die Reise nach München wert. Allerdings sollte man sich im Vorfeld ganz genau überlegen welchen Informationsschwerpunkt man setzt. Entsprechend muss man gezielt und rechtzeitig die jeweilige Info-Arena ansteuern und versuchen einen Platz zu reservieren. Das ganze Szenario in den Infobereichen erinnerte ein wenig an die „Handtuchorigen“ der Pauschaltouristen an spanischen, italienischen oder sonstigen Pools…. Wer den Stuhl hat bleibt sitzen, so lange er kann bzw. bis er keine „ääähhhhmmmmms“ mehr hören kann. Punkt!

Die Messeleitung sollte sich dringend überlegen wer, unter welchem Titel zu welchem Thema referiert und wie die Info-Arenen künftig gestaltet werden können. Geschlossene Räume a lá „DMEXCO“ finde ich persönlich besser. Im nächsten Jahr erhält die Messe noch eine Chance, die Letzte!

Wolfgang Jung

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